31.7.2026 (ca)
Am vergangenen Mittwoch (29.7.2026) gab es im Rathaus Stadtbergen einen hochkarätigen Vortag von Jürgen Resch, weithin bekannt als Umwelt-Lobbyist, Klimaaktivist und langjähriger Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Veranstaltung wurde von der Stadt Stadtbergen initiiert und organisiert (vgl. dazu nochmals unsere Vorankündigung in der untenstehenden Aktuellen Meldung vom 23.7.2026), dabei mit sequenzieller Aktivität der BUND Naturschutz Kreisgruppe Augsburg. Unter dem Duktus seines bekannten Buchs thematisierte Jürgen Resch im Vortrag „Lebenswerte Städte schaffen – konkrete Lösungen für Klima, Gesundheit und Natur“ praxisnahe Wege, wie Kommunen und Bürger urbane Räume an die Folgen des Klimawandels anpassen können. Er verdeutlichte, dass wirksamer Klimaschutz keine Einschränkung bedeuten muss, sondern die Städte krisenfest, gesünder und lebenswerter für die Zukunft macht. Die Kerninhalte und Kernforderungen in seinem Vortrag:
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(1) Kampf gegen Hitze und Versiegelung: Angesichts von Rekordhitze und „Betonwüsten“ wird die dringende Notwendigkeit von Klimaresilienz in Städten aufgezeigt.
(2) Grüne und blaue Infrastruktur: Mehr Stadtbäume, Entsiegelung, Fassadenbegrünung und offene Wasserflächen zur Senkung der Umgebungstemperatur und Steigerung der Biodiversität.
(3) Mobilitätswende vor Ort: Reduzierung des Autoverkehrs zugunsten von Fußgängern, Radfahrenden und dem öffentlichen Nahverkehr, um die Luftqualität und Lebensqualität direkt zu verbessern.
(4) Kommunaler Klimaschutz: Konkrete Handlungsoptionen, wie Verwaltungen und engagierte Bürger gemeinsam Klima- und Naturschutz vor Ort umsetzen können.
Der zentrale Leitgedanke bei allem: Zivilgesellschaftlicher Druck – Bürgerinnen und Bürger müssen aktiv Druck auf Politik und Konzerne ausüben, um Blockaden im Umweltschutz aufzubrechen!
Im Nachgang zur Vortragsveranstaltung hat die BUND Naturschutz Kreisgruppe Augsburg die DUH speziell auf die Kraftwerkspläne des Energiekonzerns Uniper am Augsburger Lech aufmerksam gemacht. Der Lech gilt heute als der mit Staustufen am dichtesten verbaute Fluss Bayerns. Allein zwischen Füssen und Augsburg betreibt Uniper eine aus 20 großen Staustufen bestehende Staustufenkette. Nur im Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet „Stadtwald Augsburg“ besteht noch eine durch Kraftwerke unbeeinträchtigte ca. 10 Kilometer lange Fließstrecke. Dieser Flussabschnitt, der bis zur „Korrektion“ des Flusses in den 1920er Jahren die größte Wildflussaue des nördlichen Voralpenlandes aufwies, ist heute allerdings ein ca. 80 Meter breiter Kanal, der durch sechs Sohlschwellen fraktioniert ist. Trotz dieser Sohlschwellen tieft sich der Fluss kontinuierlich weiter ein, sodass nach einem Gutachten der TU München aus dem Jahr 2012 ein Sohle-Durchschlag nicht auszuschließen ist. Bei dieser prekären Situation hat die bayerische Staatsregierung im Jahr 2013 die Flussrevitalisierung „Licca liber“ initiiert. Uniper beabsichtigt indes im Projektgebiet Licca liber Abschnitt I an der Sohlschwelle bei Fkm 50,4 anstelle einer rauen Rampe ein neues Wasserkraftwerk zu errichten. Mit dem Einreichen der Planungsunterlagen ist in nächster Zeit zu rechnen. Das Flussrevitalisierungsprojekt Licca liber ist auf nicht absehbare Zeit die einzige Chance, dem Lech wenigstens im Bereich des Stadtwalds Augsburg etwas von seiner ursprünglichen Biodiversität zurückzugeben – und dies ganz im Sinne der Zielsetzung der Ausweisung von Natura 2000-Gebieten. Licca liber könnte zudem als Pilotprojekt für die Revitalisierung alpiner Wildflüsse fungieren. Das von Uniper angestrebte Kraftwerk, das nach Verlautbarung des Konzerns gerade einmal 4.000 Haushalte mit Strom versorgen könnte, würde aber alle diese Möglichkeiten zunichtemachen. Die Errichtung dieses Kraftwerkes wäre zudem ein Präzedenzfall für die Genehmigung von Wasserkraftwerken in Naturschutz- und Natura 2000-Gebieten. Damit kommt dieser Problematik auch eine überregionale Bedeutung zu.
Bild: Jürgen Resch im Vortrag